Ich liebe dich. Und dich. Und mich.
"Gestern haben wir einfach Bridget Jones gesehen, eine Flasche Wein aufgemacht und Pizza bestellt". Klingt nach Geborgenheit, Zugehörigkeit, Liebe, Glück. Setzt man diesen Satz ins Singular, "Gestern hab ich Bridget Jones gesehen" usw, ist man auf einmal Alkoholiker und hat eigentlich kein Leben, oder zumindest ein ziemlich bedauerliches.
Paar ist das Endziel, Single heißt übersetzt alleine. Diese Haltung ist in einer Zeit, in der sogenannte "Singlehaushälte" Normalität sind, nicht mehr zu halten. Trotzdem sehnen sich Mittzwanziger immer noch nach der klassischen Beziehung, Zusammenziehen, Zusammenkochen, Zusammen Haste-nicht-gesehen.
Schluss mit dem Paaradigma.Wir feiern uns als treu und loyal, weil wir Schluss machen, bevor wir betrügen. Serielle Monogamie heißt das und ist gesellschaftlich deutlich tolerierter als ein diskreter Seitensprung. Dabei geht an Ersterem eine Liebe zu Grunde, bei Zweiterem nur die Illusion, einem Menschen auf Lebzeiten als Kopulationspartner zu genügen.
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| Keine Beziehung. Viel Liebe. |
Schluss mit dem Paaradigma.Wir feiern uns als treu und loyal, weil wir Schluss machen, bevor wir betrügen. Serielle Monogamie heißt das und ist gesellschaftlich deutlich tolerierter als ein diskreter Seitensprung. Dabei geht an Ersterem eine Liebe zu Grunde, bei Zweiterem nur die Illusion, einem Menschen auf Lebzeiten als Kopulationspartner zu genügen.
Liebestechnisch wurden wir von Disney und Hollywood indoktriniert, Filme, die immer enden, wenn es am Spannendsten wird: Was, wenn wir den Typen gefunden haben, der bleiben soll? Disney antwortet regelmäßig: Kuss, Ausblende und alles was bleibt ist die trügerische Illusion einer immerwährenden Zeichentrickromantik.
Trotzdem plagen wir uns in sisyphosscher Sturheit an einem Modell ab, das unseren Erwartungen nie genügen kann. Aber anstatt unsere Erwartungen zu senken, sollte man endlich das Modell überdenken. Wer intelligent mit seinem emotionalen Kapital wirtschaftet, verteilt es auf verschiedene Menschen und Instanzen. Bestätigung aus eigener Leistung, Zugehörigkeit durch Freunde. Einem einzigen Menschen die Verantwortung für sein Seelenheil zu übergeben ist irre, und man zahlt mit Eifersucht und Verlustangst.
Man könnte das Ganze noch weitertreiben: Eifersucht ist nichts anderes als persönliche Schwäche und Unsicherheit. Und noch weiter: Selbst begründete Eifersucht, ein Seitensprung etwa, ist eigentlich nur dein Problem. Wer sich frühzeitig ein Netz aufgebaut hat, und seinen Selbstwert aus sich selbst heraus schöpft, wird nicht so tief fallen und kann um so freier l(i)eben.
Wer traditionelle Beziehungsformen hinterfragt, riecht meistens ein bisschen nach Haschkeks und wurde wahrscheinlich in den Siebzigern sozialisiert. Aber ich möchte nicht für gammelige Hippiekommunen werben, sondern für die Anpassung vom Modell an die Menschen, die es betrifft, und nicht andersherum. Ich will nur daran erinnern, dass man als Single noch lange nicht alleine ist. Dass es okay ist, alleine eine Flasche Wein trinken. Und dass man Menschen lieben kann, ohne sie besitzen zu wollen.
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| Leipzig. Helene Bukowskis © |
Wer traditionelle Beziehungsformen hinterfragt, riecht meistens ein bisschen nach Haschkeks und wurde wahrscheinlich in den Siebzigern sozialisiert. Aber ich möchte nicht für gammelige Hippiekommunen werben, sondern für die Anpassung vom Modell an die Menschen, die es betrifft, und nicht andersherum. Ich will nur daran erinnern, dass man als Single noch lange nicht alleine ist. Dass es okay ist, alleine eine Flasche Wein trinken. Und dass man Menschen lieben kann, ohne sie besitzen zu wollen.




Genau auf den Punkt gebracht! Bridget Jones, eine Flasche Wein und die übrig gebliebenen Pralinen von Ostern sind ein ziemlich perfekter Freitag und haben nichts mit einem traurig-einsamen Dahinvegetieren in der Kategorie "armer Single" zu tun!
AntwortenLöschenUnd davon mal abgesehen, ist auch der Rest deiner Einstellung zur Liebe wohl der gesündere (und erfolgreichere) Weg :)
Ich mag deine Gedanken. :)
AntwortenLöschenDie Sache mit der Eifersucht ist wirklich etwas kompliziert und ich bin ganz deiner Meinung, dass sie nur ein Zeichen eigener schwäche ist.
Ich finde der Grundstein für eine funktionierende Beziehung ist es nicht zu klammern. Man sollte nicht sagen "Ich kann nicht mehr ohne dich leben." - Viel mehr sollte man in einer guten Beziehung sagen "Ich kann zwar ohne dich leben, aber momentan bin ich lieber bei dir."
Und zum Thema Monogamie, Drama wegen Seitensprünge und dadurch bedingte Trennungen: Wenn ich jemanden liebe, will ich, dass er glücklich ist. Auch im Bezug auf seine Sexualität. Und wieso verdammt, sollte ich das jemandem verwehren und eine Beziehung "kaputt" machen nur weil man einmal das Bedürfnis hat sich auszuprobieren?
schöner Text R. Peter
AntwortenLöschenIch liebe diesen Text. Du kannst dich wirklich unfassbar gut ausdrücken; es klingt so reif und überlegt. Das Thema, das du ansprichst, hast du perfekt auf den Punkt gebracht. Wirklich toll. Ich bin begeistert!
AntwortenLöschenEin als Single sicherlich beruhigender Text mit scheinbar überzeugenden Argumenten. Als glücklich Vergebene finde ich es ein wenig traurig, das Beziehungsdasein per se als etwas abzustempeln, was sowieso nur zeitlich begrenzt und von Vornherein dem Scheitern verurteilt sei. Dem ist Gott sei Dank nicht so.
AntwortenLöschenUnd nein, nicht jede Beziehung ist von Eifersucht und Seitensprüngen geplagt. Aber ich belasse euch in eurem Glauben, falls es euch so leichter fällt, eurer Singleleben zu bestreiten.
fuck yeah
AntwortenLöschenBridget Jones allein ist schon etwas ziemlich bedauerliches.
AntwortenLöschenZum Geburtstag wünschen wir uns 27 heitere Geschichten von Gromi, Aufschreiben hilft, wenn ich an meine Kindheit denke ... O&A
AntwortenLöschenFrau Bauerfeind hat Fragen - die andere Talkshow mit Katrin Bauerfeind. Live im Pfefferberg Theater
AntwortenLöschenAm Mo, 19.03. begrüßt Katrin Bauerfeind Ronja von Rönne & Jörg Thadeusz.
In dieser Talkshow sind die Fragen schon beantwortet bevor es losgeht. Die prominenten Gäste füllen im Vorfeld Katrins Fragebogen aus. Ihre Antworten bilden die Grundlage für diesen Abend. Hier wird nachgefragt, vorgemacht, aufgetischt, abgeräumt, geredet, gesungen, gelesen, geraucht, getrunken, gespielt, gelacht und wer nicht dabei war, hat’s nicht gesehen…
as time goes by
AntwortenLöschenWunderbarer Text! Meine Gedanken dazu: Hm. Nö. Wir laufen immer noch mit einem Steinzeitgehirn durch die Gegend, und das sagt (zu recht): "Alleine bist du am Arsch!" Tatsache ist, dass es schwerer den je ist, in dieser Welt auf Speed alles alleine hinzukriegen. Und auch auf die geliebten Freunde, ist immer nur bedingt Verlass, denn es gibt Momente im Leben, da würde einem wirklich nur noch "die eine", "die wahre" Liebe zur Seite stehen. Der Glaube daran, die Hoffnung darauf, ist deswegen (zu recht) nicht totzukriegen. Und mit "besitzen" hat die wahre Lieben auch nichts zu tun, sondern eher mit "beisitzen" - da stimme ich Deinem Schlusssatz (Wörter mit drei s sind irgendwie cool!) also voll zu. Mein Tipp als ehemaliger Zivi: Geh mal einen Tag in ein Altenpflegeheim und lass die Einsamkeit des Alters (zu diesem Thema wäre ein neuer Text von Dir spannend!) auf Dich wirken. So zusammengerottet ist da ja eigentlich niemand alleine - und doch fühlt man ständig die drückende Einsamkeit, weil niemand da ist, mit dem "lieben und geliebt werden" geteilt wird. Und mal ehrlich: Eine körperliche Berührung, und sei es nur ein zartes Halten der Hand, fühlt sich auch nur wirklich gut an, wenn es von der wahren Liebe kommt, von der man weiß, dass es sich für sie/ihn genauso anfühlt. Ich weiß...ich bin ein hoffnungsloser Romantiker (im umgangssprachliches Liebessinn). Es grüßt A
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