30 Sätze, die ...

... die ich mein Leben lang mal hören wollte, irgendwann gesagt bekamt, und die überraschenderweise doch nicht glücklich machen

"Du musst dich mal zwischen deiner Schreib- und Fernsehkarriere entscheiden"
"Wir brauchen deine neue Kolumne bis Freitag"
"Zu welchem Verlag willst du?"
"Zu dir oder zu mir?"
"Natürlich haben wir hier Highspeed - Internet"
"Wodka?"

...die mir nie besonders vorkamen, mich aber tatsächlich zuverlässig glücklich machen

"Du kommst jetzt einfach noch mit"
"Egal, du zahlst beim nächsten Mal"
"Ist das dein Baby?"
"Komm wir trennen uns vom Rest der Familie und gehen in die Ausstellung und trinken heimlich Campari" (vielleicht, weil er von meiner Großmutter kam)
"Ich bring dir Suppe vorbei"
"'Ich nehme dein Buch in jede Ferien mit"
"Das erzählen wir keinem, ok?"
"Hier gibts nur ganz schlechtes Internet"
"Weihnachten wieder im Auto sitzen und rauchen?"
"Wodka?"

....die sehr unglücklich machen, obwohl sie erstmal schön klingen

"Ich hab dich immer mehr geliebt"
"Das war immer mein Traum"
"Das wird schon wieder"
"Ich habe alles für dich gemacht"
"Wodka?"

...die ziemlich öde sind, aber trotzdem glücklich machen

"I love you"
"Ich habe eine Überraschung für dich"
"Du bist lustig"
"Du bist so schön wie das Universum unheimlich"
"Ist doch egal"
"Ein schön Baum da, schau"
"Brauchst du was?"
"Wodka?"

...die keinem helfen

"DAS WAREN ABER GAR KEINE 30 SÄTZE!!!???!!"

Im Zweifel: Anfassen. Wenn man eine Pola dafür hat, umso besser. Sonst gehen auch andere Personen.






Kommentare

  1. Aber das macht doch nichts!

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  2. Das ist eine schöne Auflistung in Moll. Danke.

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  3. Du bist ein wunderbarer Mensch und schön, unheimlich!

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  4. 30 Sätze, die ich Ihnen, Frau Rönne, schon lange einmal zurufen wollte:

    Wer in einen Spiegel schaut, sieht, dass das, was ihm aus dem Spiegel entgegenblickt, ihn nicht sehen kann.
    Der Wunsch nach Erfolg oder auch nur Bestätigung hofft auf irgend etwas Höheres, was einem diesen erfüllen könnte, was aber klein wird, sobald es ihn erfüllt. (Insofern ist jeder erreichte Erfolg nie befriedigend.)

    Das Gefühl, nicht zu genügen, zu versagen, löst sich erst für den, der merkt, dass er eigentlich gar nichts anderes ist als dieses Gefühl.

    Die Schönheit des Körpers ist gar nicht vergänglich, vergänglich ist das Menschenwesen, das ihr mit der Zeit enteilen muss.

    Trauer und Liebe sind nur verschiedene Aggregatzustände einer Sehnsucht danach, dass etwas sein sollte, was sich zu ersehnen lohnt.

    Liebe und Einsamkeit werden erst vereint zu den Eltern jeder Schöpfung.

    Auch wenn einer sie lange ersehnt hat, trifft ihn die Kunst doch unvorbereitet, dann aber gnadenlos.

    Die völligen Unkenntnis des Schöpferischen nennt sich heute stolz Kreativität.

    Jede Form von Kunst ist in sich bedingungslos – der Künstler deshalb vollständig, für immer und unentschuldbar verantwortlich.

    Jede Spur von eigensinnigem Ich, Selbst etc. ist der Kunst unerträglich – der Künstler deshalb nie auch nur im Geringsten für irgendetwas verantwortlich.

    Die Kunst macht nicht den Künstler, der Künstler macht die Kunst, allerdings nur, weil die Kunst ihm keine andere Wahl lässt.

    Verlässliche Lebensfreundschaft entspringt dem vollständigen Verzicht, den Freund zu kennen.

    „Jedes Gold wird Blei“

    „wer sein herz aus der brust reisst zur nacht und schleudert es hoch:
    der trifft nicht fehl,
    ...“
    Rauchen und Trinken sind von heute aus gesehen auch gestern schon nur pathetisch gewesen.

    Denken ist eine Tätigkeit, Wissen gibt es nur jeweils aktuell – nicht vergegenwärtigtes Wissen nährt nur sture Borniertheit.

    Jede vergegenwärtigte, als gegenwärtig beachtete Tätigkeit ist Denken.

    Schreiben kann nur wirklich, wer die Sprache nicht beherrscht.

    Im Schreiben spielt die Sprache mit dem Gedanken, dass es sie gar nicht gäbe.

    Jeder Satz tut allem in ihm Gesagten Gewalt an.

    Jeder Satz tut allem in ihm nicht Gesagten Gewalt an.

    Nur ratlose Liebe zu ihrem Gesagten macht alle Sätze verzeihlich.

    Ein Schreibender darf nicht verschweigen, dass er aus Unfähigkeit alles verschweigen muss, was er eigentlich sagen möchte.

    Ein Thema kommt nicht von Innen und auch nicht von Außen sondern vom Ende her.

    Der Trost über jedem Scheitern heißt: was auch immer, es wird gewesen sein.

    Das Ich möchte Künstler, Schreiber oder sonst was werden, weil es glaubt, so seiner Armseligkeit zu entkommen.

    Für Kunst braucht es Künstler, Schreiber etc. und dafür das armselig sehnsüchtige, seiner überdrüssige Ich.

    Insgesamt ist Kunst kein Metier sondern die in sich gespiegelt rückgekoppelte Erschaffung der Welt.

    Anfangen heißt zu merken, dass man schon viel zu tief drinsteckt, um nicht weiter zu machen.

    Viel Glück und viel Spaß!

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  5. Antworten
    1. Plumper Quatsch! Im günstigsten Fall bleibt vielleicht das Beschriebene, wenn der Schreiber vor Liebe zu ihm vergeht.

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    2. biersmalmitgemuetlichkeit

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    3. Was zählt, Paulinchen – wer schreibt, pro-biert offensichtlich, diese Seite kaputt zu machen. Ich fände das sehr schade und denke, da wäre eine Wurzelbehandlung plus Aussprache beim Psychiater angebracht!

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    4. Ich glaube der Mensch ist am Ende ein so freies Wesen, daß ihm das Recht z u s e i n was er glaubt zu sein nicht streitig gemacht werden kann. (GCL, L972)

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    5. Wenn Lichtenberg Finstermoser geheißen hätte, würde ihn dann heute noch jemand zitieren?

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    6. Aber ist das Erinnern und Heraufholen untergesunkner Zeiten aus dem Meerboden der Vergessenheit nicht ein Beweis, daß es gleichsam noch ein ätherisches zweites Gehirn gibt, das bloß vom schweren drückenden des Tags befreit zu sein braucht, damit es den feinern ätherischen Anregungen des Geistes folgsam sich bequeme ?

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    7. Siebenkäs(?), würde ich vermuten – und erstaune ob der Belesenheit der Leser dieser Seite, finde aber das Verlinken weiters unangenehm und (täusche ich mich?) juristisch wohl bedenklich. (Masken schützen manchmal auch das Gegenüber, öfter jedoch den Träger.)

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  6. talk and show ! where the place ?

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    1. I've forgotten I don't know

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    2. Mal vorausgesetzt, jemand hätte die Ödipustragödien (die mit Freud so gut wie nichts zu tun haben!) gelesen/gesehen und ansatzweise eine Ahnung, wie komplex da schon die Alte-Weiße-Männer-Kritik (was freilich die alten weißen Männer wohl am allerwenigsten wissen – aber das ist auch nicht nötig!) unterlaufen wird, wäre dann nicht ein paar tausend Jahre später ein echtes weibliches Pendant gefragt, was aus einer ähnlich tragischen Negativität heraus in eine vergleichbare ausgestandene Ruhe einkehren kann, wie der Alte auf Kolonos nach all den stolzen und dann begrabenen Hoffnungen. Eine Erlösung von aller Moral (die heute durch Heuchelei nur verkappt, aber in Wahrheit tiefer verletzend herrscht als je!) nach dem durchlittenen und überwundenen Schuldgedanken. So was kann auch 3/6-händig geschrieben werden – Homerhommage – und hat natürlich Zeit, notfalls nochmal 2500 Jahre. Da gelten andere Uhren! Ich mein ja nur, falls jemand ne Lebensaufgabe ersehnt?

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    3. Denken Sie, liebe Ronja, an die Welt, die Sie in sich tragen, und nennen Sie dieses Denken, wie Sie wollen; mag es Erinnerung an die eigene Kindheit sein oder Sehnsucht zur eigenen Zukunft hin, - nur seien Sie aufmerksam gegen das, was in Ihnen aufsteht, und stellen Sie es über alles, was Sie um sich bemerken. Ihr innerstes Geschehen ist Ihrer ganzen Liebe wert, an ihm müssen Sie irgendwie arbeiten und nicht zu viel Zeit und zu viel Mut damit verlieren, Ihre Stellung zu den Menschen aufzuklären.

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  7. Wie ein Schrank, bei dem alle Schubladen klemmen – und es gibt ja kaum gute Schreiner.
    Denken ist so heikel als Wort, grade weil es so unendlich viel mehr kann, als das Wort vermuten lässt. Solche Vorstellungen, die da oben grade so besserwisserisch ausgebreitet werden, Vorstellungen von Innen und Außen, scheinen uns ja erst mal zu helfen, aber das Denken klemmt, wenn es versucht denen nachzudenken. Jeder ist so einzeln (mit all der Einsamkeitsgefahr, die daraus entspringt) und glaubt sich deshalb im Unterschied zur Welt, zu Anderen. Das wäre so schön erklärt mit Innen und Außen – Außen der Zwang und innen die Freiheit. Außen die Sturheit der Welt und innen das Spiel der Gedanken. Aber wo spielt denn, was wir sehen und wohin befördern wir unsere Seele, Psyche o.ä., wenn wir sie betrachten. Da geht schon im Ansatz zu viel durcheinander. Vielleicht sollten wir nochmal, wahrscheinlich ein erstes Mal, versuchen, unvoreingenommen zu schauen und die Gewissheit, die wir selbst zu sein scheinen, noch einmal für einen Augenblick fahren lassen. Wo steht dann dieser Text: Ich lese – du liest. Und was kann gesagt sein, was ich nicht verstehe, außer dem, was ich nicht verstanden habe – das musst du verstehen, oder umgekehrt. Innen ereignet sich das Verständnis von dem äußeren Text, den aber nur versteht, wer merkt, dass er genau da entstanden ist, wohin er jetzt verstanden werden soll. Genug Durcheinander! Die Welt grüßt sich selber von hier aus ineinander verschlungen, für einander entworfen und einander hin und her zugespielt. Die Augen im Spiegel, wie gesagt, sehen nicht – aber die Augen, die sehen – nein, das Sehen, was wir diesen Augen nur zuschreiben, weil sie so schön sind in ihrem Glanz – geben aller Welt erst das Licht, in dem sie überhaupt erst erscheinen kann. Das übersieht, wer nach Außen, noch mehr aber, wer nach Innen schielt. „Wer allein ist, ist auch im Geheimnis“ oder wie Hölderlin es sagt (aus dem Mund der geliebten und schon toten Diotima, die zu ihm spricht):
    "Du seiest so allein in der schönen Welt
    Behauptest du mir immer, Geliebter! das
    Weist aber du nicht,"
    All-ein: und endet(?) mit einem Komma!

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  8. Vier Sätze, bei denen schnell klar wurde, dass ich vorher überhaupt noch nie etwas gehört hatte und die mein Leben nachhaltig verändert haben: 1.Adagio – Allegro, 2. Andante Cantabile, 3. Allegretto, 4. Allegro Molto. (Das Dissonanzenquartett ist ein Streichquartett in C-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart, KV 465.)

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)


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