Donnerstag, 23. April 2015

INTERVIEW mit MARCEL REICH-RANICKI

Ich habe mich zu einem Interview mit Marcel Reich-Ranicki verabredet.
Er gibt mir die Hand und entschuldigt sich, dass er nicht kommen konnte. Draußen scheint die Sonne, als wir im Holodeck Platz nehmen. Die Realität sitzt zwei Tische weiter, guckt mürrisch und trinkt Zitronenlimonade.

SUDELHEFT: Es ist wirklich schade, dass wir uns heute nicht unterhalten können-

REICH-RANICKI:
Ich glaube, Sie lesen zu wenig Zeitung. Sonst wüssten Sie, dass ich gar nicht mehr lebe. Man kann nicht einfach als Toter zu Interviews aufkreuzen. Das brächte alles durcheinander.

SUDELHEFT: Aber ich interviewe lieber Tote, die twittern nicht.

REICH-RANICKI
versonnen:  Manchmal ist eine Schreibblockade für den Leser ein Segen, das wollen wir nicht vergessen.

SUDELHEFT
: Sie machen mir sogar als Toter noch Angst -

Die Realität schlürft missbilligend den Rest ihrer Zitronenlimonade und setzt sich eine Sonnenbrille auf.

REICH-RANICKI: Sie werden albern.

SUDELHEFT: Mir ist das irgendwie unangenehm, ich habe das schon groß angekündigt, ein Interview mit Reich-Ranicki, das gab es ja nun ewig nicht mehr, und jetzt sitze ich hier alleine-

REICH-RANICKI: Aber hier ist man nie alleine. Sehen Sie, da läuft Jean-Luc Picard! Ich glaube, wenn ich ein anderer Mensch wäre, wäre ich großer Star Trek Fan. Bis auf die Voyager Folgen, die sind Quatsch. Die mögen sogar andere Menschen nicht.

SUDELHEFT: Möchten Sie einen Earl Grey Tee?

REICH-RANICKI lässt den Blick in die Ferne schweifen: Mich stört die gewollte Metaebene in diesem Text massiv. Bei Wikipedia steht, dass ich eine realistische Literatur favorisiere.

Die
REALITÄT holt aus und wirft ihr Glas nach uns: ENDLICH SAGT ES MAL EINER! MICH GIBT ES AUCH NOCH!

SUDELHEFT: Aber die Realität muss doch nicht immer in Texten die größte Rolle spielen. Ich finde das aufdringlich.

REICH-RANICKI: Ich muss jetzt gehen. Es ist immer so schwer, Orte zu verlassen, an denen man  noch nie war.


Diese zwei Schwäne  sind die einzigen zwei Teilnehmer am Synchronschwimmen - Kurs. Selbst ihr Leiter hat abgesagt. Er könne schließlich nicht alles gleichzeitig machen.

Kommentare:

  1. Ich mag die Voyager Folgen. Ich glaube ich war damals ein bisschen in Tom Paris verliebt außerdem hatten wir nur einen Fernseher und meine Mutter hat mich gezwungen..da haste als 12 Jährige die Wahl: entweder Star Trek gucken oder gar nix..Aber abgesehen davon, sehr sehr schöne Texte!

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  2. Als ich schon glaubte Frau von Rönne weger diverser Unschicklichkeiten abstempeln zu müssen, kam der Bachmannpreis, der Wunsch Klaus Kastberger zu widersprechen und dieser Text, der erschreckend nahe an meine Alpträume rankommt (Gott und Ranicki spielen Schach). Danke dafür

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  3. Die Autorin scheint Reich-Ranicki kaum zu kennen ... das Wort Star Trek hat er bestimmt nie in den Mund genommen; und Wikipedia kannte er, wenn überhaupt, bestenfalls vom Hörensagen ... um das fiktive Interview mit R.Rs Worten zu beurteilen "Meine Liebe, grässlich, abscheulich und ungenießbar"

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)