Mittwoch, 18. Mai 2016

Meine Frau hat mich verlassen, aber dafür hat ihre Arbeitskollegin einen Stalker

Ich warte auf eine wichtige Mail. Ich weiß nicht, auf welche, oder von wem, nur dass sie sehr wichtig ist. Seit einer Woche habe ich das Haus nicht verlassen, das Wlan habe ich dreimal überprüft, daran liegt es nicht.
Die Mail ist wichtig, denn sie muss mich retten. Früher dachte ich, Menschen könnten mich retten, aber dann hat meine Frau mich verlassen, um sich selbst zu finden.
Ich sagte: "Aber hier bist du doch", und sie schüttelte den Kopf und sagte, ich verstünde mal wieder überhaupt nichts. Das war eh eine Zeit, in der sie sehr oft "mal wieder" sagte, und  manchmal auch was anderes,  "eh nicht" zum Beispiel oder "nie", und als letztes: "Ich muss mich selbst finden".
Sie glaubte im Gegensatz zu mir nicht, dass sie ganz und gar hier sei, sondern vermutete sich eher in einem 4-Sterne-Ayurveda Resort in Indien.
Das stimmte damals nicht, aber zwei Wochen später stimmte es doch, und hoffentlich hat sie sich gefunden, denn ich habe sie verloren und kann nicht mehr bei der Suche helfen.
Als ich ihr in einer Email schrieb, dass mir das leid tue, schrieb sie zurück: "Hello Peeps, dies ist eine Abwesenheitsnotiz, ich bin gerade im Sabbatical, ihr könnt mir auf meinem Instagram-Account @YogaLoverInIndia folgen! In wichtigen Fällen melden Sie sich doch bitte bei meiner Kollegin Katrin Graf".
Und obwohl die Eifersucht mir den Atem nahm, und ich mir vorstellte, wie ich diesen YogaLover in Indien zerlegen würde, wenn ich nur etwas entschiedener wäre, meldete ich mich bei Katrin Graf. Denn ein wichtiger Fall ist es doch in jedem Fall, wenn die Frau verloren geht.

 Katrin Graf hatte allerdings von meiner Frau den Auftrag bekommen, mich abzuwimmeln, und den müsse sie jetzt erst mal erfüllen, bevor sie mir weiterhelfen könne. Katrin Graf ist sehr gewissenhaft, immer wieder schrieb ich ihr und fragte nach meiner Frau, und immer wieder sagte sie gar nichts, so einen Job wünscht sich natürlich jeder.
Nachdem ich es ein paar Wochen lang immer wieder versuchte, schrieb Katrin Graf irgendwann auf Twitter, dass sie einen Stalker habe, #creepy. Ich freute mich für sie, denn ich wiederum hatte immer noch gar nichts, keine Spur, keine Frau, nicht mal einen Stalker.
Seitdem warte ich auf die wichtige Mail, und ich glaube sehr daran, dass sie bald kommt, weil das Nicht-Glauben doch noch nie geholfen hat, mir zumindest nicht.

Ich suche meine Frau. Falls ihr diese hier seht, die ist es nicht. 

(Foto: Carolin Saage, aber die ist es auch nicht)

Kommentare:

  1. Eine mir ganz fremde, aber in der Art und Weise ganz vertraute Situation..

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  2. "Sie glaubte im Gegensatz zu mir nicht, dass sie ganz und gar hier sei, sondern vermutete sich eher in einem 4-Sterne-Ayurveda Resort in Indien."

    ganz toller text! :)

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  3. Kafka lässt grüßen...

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  4. Wunderbar, wie immer!
    Wann erscheint denn endlich dein erstes Buch? ;)
    Viele Grüße!

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  5. - Nur um jetzt peinlich berührt festzustellen, dass es das schon gibt. Verzeihung!

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  6. charly4sunshine18. Mai 2016 um 11:51

    Rotwein hilft kurzfristig

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  7. Kafka, kann doch nicht genauso erst genommen werden wie Shackletons Willen alle Männer über´s Packeis zurück in die Heimat zu bringen, auch wenn er alle Ungläubigen mit seinem unerfolgreichen Unterfangen einer Antarktisexpedition, dass anders sein erfolgreiches Ziel fand, abstrafte, ein halbguter Kafka wird immer lesenswerter sein als die Ikarusin von Rönne noch so nah ans solare Himmelgestirn, weil Schachtelsätze kein Qualitätsmerkmal sind, nur die Andeutung auf eine Schreibpsychose oder es einfach nicht überwinden zu können den Schreibwahn zu zügeln, richtig fies tot gemacht müsste der sein, der Schreibwahnschweinehund, dann...oh weh, jetzt ist es mir wieder passiert...
    Nun, Frau von Rönne, sie sind nicht schlecht. Also wenn wir vom ersten Level Super Mario ausgehen, wie sie die erste Münze aus dem Backstein-Kubus geprügelt haben, ja, die erste Fahne zu erreichen ist nicht schlecht. Eine Meistern des ersten Levels wollen sie doch nicht bleiben? Das kann jeder!

    PS: Die Carolin Saage macht sie zu erträglicheren Bestandsaufnahmen.

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  8. Ich wünsch dir viel Erfolg bei der Suche. Schau nicht so traurig drein (ist das der alex im Hintergrund? da geh lieber nicht hin, wenn du traurig bist! das machts nur schlimmer, kann ich dir sagen!)

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  9. liebe ronja, eigentlich dacht ich, du bist eher so hetero... aber mann lernt nie aus!
    abhanden gekommene frauen findet man am besten über das fundamt /das doitsche konsulat/ die privatdetektei herlock sholmes - aber ganz sicher nicht über twitter stalking :))
    und überhaupt: das abhanden kommen & gehen näherer & fernerer bezugspersonen/lovers/ernährungssexspezialistInnen mit & ohne binnen-I ist die letzte chance, endlich einmal allein zu sein.
    und wegfahren zu können.
    und natürlich nicht nach (nur-für-doofe) indien, sondern nach grönland.
    und dort einen eisbären knuddeln. ('eisbären müssen niemals weinen' war so ein hit der 'neuendeutschenwelle' longlongago, damals gab's dich noch gar nicht). eisbären sterben gerade aus.
    mangels futter, eisbergen und eisbärliebhaberinnen.
    ps: und natürlich bin ich nicht anonym, sondern fabio keiner (s. tumblr)

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  10. Die Autorin ist weg, sie wollte doch antworten, aber sie tat es nicht. Ich geh sie mal suchen, auf Facebook und Twitter, aber da ist sie auch nicht, überall nur Verehrer. Die drängeln ganz schön. Warum drängeln die denn so? Ach so, Autogrammstunde, vielleicht das Buch erst mal auspacken! Wo bleibt sie bloß? Die Leute werden schon ganz unruhig. Schau mal, das ist sie ja! Sitzt im Fernsehen rum und gibt Interviews. Ich geh mal näher ran. Aber nein, das ist sie ja gar nicht. Schade! Ich geh zurück in meinen Blog. Jemand steht vor der Tür. Wir kommen uns näher. Aber nein, das ist er ja gar nicht, sagt Jemand, und zieht von dannen.

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  11. :( Ich bin zutiefst betroffen!

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  12. Ronja, schau mal in deinem Spam-Ordner nach.
    LG, Gerd

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  13. Gerade den Artikel in der Welt über Depressionen gelesen.
    Wirklich unglaublich beschissen, ich wünsche Ihnen alles schlechte.
    Tschau

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)