Sonntag, 8. Mai 2016

Ein Tag mit den Obamas

Es ist ziemlich sicher, dass Barack Obama manchmal nachts nicht schlafen kann, weil ihm endlich ein guter Konter für ein Gespräch einfällt, dass er in der achten Klasse geführt hat. Es ging damals um seine Wurftechnik, der Coach hatte ihn irgendwie angefahren, egal, jetzt auf jeden Fall fällt ihm die perfekte Retourkutsche ein, und er wälzt sich unruhig hin und her.
Michelle ist genervt, murmelt so etwas wie "Get some sleep, Mister President", das ironische "Mister President" kann sie sich einfach nicht abgewöhnen, es ist ein Insider, das erste Mal nannte sie ihn so, als die beiden sich am College kennengelernt hatten, bis an die Spitze, zusammen, das war schon damals für beide klar.
Barack murmelt dann irgendwas von einer schwierigen Nahostentscheidung, und denkt wieder, das wäre es gewesen, der Scheißcoach hätte nie wieder gewagt, ihn so blöd an zu labern, und dann ist das Arschloch auch noch gestorben, bevor er Präsident wurde, Schlaganfall mit Mitte 40, das ärgert Barack immer noch, wer stirbt bitte mit 40 an einem Schlafanfall. Er wird immer wacher, er steigert sich richtig rein. Scheiße, schon halb vier.
Irgendwann ist es dann Morgen, und Barack könnte schwören er habe kein Auge zugetan, aber Michelle sagt, Unsinn, er habe die ganze Nacht friedlich geschnarcht, während Sie sich Sorgen gemacht hat wegen des schlechten Essens in den Schulkantinen, aber ihre Sorgen interessieren ihn wieder gar nicht.
Beim Frühstück starrt man sich also ein bisschen finster an. Dann wieder Termindruck usw. Am Abend kurzer Whatsapp-Austausch. Michelle so: "Baby, du solltest weniger arbeiten", und Barack schreibt zurück: "Seit wann texten wir auf deutsch?" Genervt organisiert Michelle einen Wohltätigkeitsball.
Am Abend essen die beiden mit einem Comedystar. Der Comedian soll die beiden in einem Sketch volksnäher machen, deswegen erzählt Barack, dass er in Studienzeiten "auch gern mal an einem Joint gezogen habe" und überhaupt auch gerne Netflix schaue, wie so ein ganz normaler Mensch.
Der Comedian lacht hysterisch, "haha, normaler Mensch, das ist gut, das ist witzig!" und Obama lacht zurück, Michelle fühlt sich ausgeschlossen. Sie nimmt die Hummergabel und ersticht den Comedian. So richtig klappt es nicht, die Gabel ist zu stumpf, nie klappt was, der Comedian zuckt und zuckt und verreckt einfach nicht.
"Lass doch, Sweetheart", sagt Barack und streicht ihr sanft über die Wange, "das übernimmt Phil für uns, wozu sind wir denn ganz oben und an der Spitze". Aus einer Ecke kommt Phil, nickt demütig, er soll hier keine weitere Rolle spielen, nur so viel, der Comedian sollte nie wieder jemanden volksnah machen.
Die Obamas jedenfalls gehen müde ins Bett. Nicht diese wohlverdiente Müdigkeit, die man sich so vorstellt für Präsidentenpaare, sondern eine pure Müdigkeit, von allem, und voneinander auch ein bisschen, auch wenn sie das nie zugeben würden. Sie sind doch ein Powerpaar.  Barack retweetet noch einen Post von Jan Böhmermann. Das macht ihn volksnah. Vielleicht nicht hier in Amerika. Aber vielleicht anderswo. An einem anderen Ort. Das alles ist möglich. Was wissen wir schon von den Obamas. Wenig. Andere? Noch weniger. Es bleibt Montag.
















Kommentare:

  1. Wow.
    Was hat dich denn dazu inspiriert? ...egal, ich bin froh drüber.
    Ich weiß jetzt grad gar nichts annähernd schlaues darauf zu sagen, also einfach Danke für die Freude sowas zu lesen und für die Fantasie und für gute Gedanken und für die Leichtigkeit.

    Gerda
    www.diewolken.blogspot.com

    PS: warum musste der Comedian sterben?

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  2. Ich persönlich glaube ja immer noch fest daran, dass Barack aus Jux ,Dagobert' auf Lautsprecher hört, wenn Donald Trump im selben Raum ist...aber Michelle, die check' ich nicht, obwohl am selben Tag wie ich geboren. Und sehr viel älter, aber wesentlich jünger aussehend...

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  3. wenn trump-the-monster den weltkrieg nr.3 führt, den hillary-the-killary schon unter obama 'uncle-tom-for-president' begonnen hatte, werden wir alle uns nach michelle-ma-belle zurücksehnen.
    sogar die herrschaften kalauer.
    und überhaupt: einer doitschen göre steht es nur in ausnahmefällen zu, sich über die führung (sic!) unser aller schutzmacht lustig zu machen. beim nächsten einreiseversuch in god's own country gibt das aber ein längeres interview mit den behörden (nix NSA, einfach ein subordinierter folterknecht der CIA), fräulein ronja.
    et cetera, pp.: ich bin nicht anonym, sondern fabio keiner :) und empfehle dir zum anhören: 'miserere' von gregorio allegri. ganz klassisches engelschorgesinge. wochenende ist pfingsten: die ausschüttung des heiligen geistes. eimerweise, hoffentlich.

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  4. Keine Ahnung, ob Kritik erwünscht ist, schließlich will ich der sehr wahrscheinlichen und wünschenswerten Karriere auch nicht im Wege stehen, aber wenn ich es schon gelesen habe, und das mit Vergnügen, will ich auch meine Eindrücke loswerden und somit zunächst einmal festhalten, dass mir der Ansatz, hinter der Politikermaske das Menschengesicht zu suchen, gut gefällt, zumal für Krieg und Terror, und ich meine auch ökonomischen Krieg und Terror, meistens nicht politische Gründe, sondern menschliche Abgründe verantwortlich sind. Schade nur, dass das Menschengesicht weniger an Obama als an eine schwarze von Rönne erinnert. Natürlich sieht immer jeder erst einmal sich selbst im Anderen, aber ich denke, die Aufgabe eines Schriftstellers sollte es sein, den Anderen im Anderen zu sehen.

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  5. find ich richtig geil, deinen text da.

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  6. ich weiß eigentlich nicht viel über jan böhmermann, aber meine ganze uni ist voll von plakaten, wo er verkleidet ist, das sind spotify werbungen. schon davor fand ich ihn unsympathisch und die paar halben minuten, die ich von ihm gesehen haben, haben mich nicht zum lachen gebracht. findest du ihn auch sehr unsympathisch, ronja? ich wollte mich schon länger über meine antipathie austauschen.

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  7. Wo kann ich mich in Dich verlieben?

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  8. ("Seit wann texten wir auf deutsch?" Genervt organisiert Michelle einen Wohltätigkeitsball.)
    Wundervoll!

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)