Sonntag, 20. März 2016

Ich bin sehr selten

Ich habe eine Podiumsdiskussion zum Thema "Artenschutz" organisiert. Schön Flyer gestaltet und alles. Ich habe auch ein Orga-Team. Die beiden Mädchen sagten gleich zu Anfang, sie wollten so genannt werden, und ohne Orga-Team nehme einen heutzutage kein Mensch mehr ernst.

Das Orga-Team sagt, sie stünden "echt voll hinter mir", aber manchmal behaupte ich, schnell eine rauchen zu gehen und belausche die beiden. Dann höre ich, wie sie über mich lachen und einander zuflüstern, Artenschutz sei Ihnen eigentlich total egal, aber mache sich eben gut im Lebenslauf, und überhaupt solle ich mal was gegen meine Augenringe machen. Sowas höre ich dann. Rauchen tu ich natürlich schon lange nicht mehr, aber nicht wegen der Augenringe. Viel mehr habe ich Angst, beim Zertreten der Kippe aus Versehen auf eine seltene Tierart zu treten.

Mein Mann hat mich verlassen, für eine Frau, der Artenschutz nicht so wichtig ist. An Sonntagabenden sitzen sie miteinander auf der Couch, trinken Rotwein, und unterhalten sich nicht über den iberischen Luchs. Solche Dinge machen den beiden Spaß.
Ich beobachte die beiden nachts mit einem Fernglas, aber wenn mein Mann mich erwischen sollte, werde ich behaupten, nach Schleiereulen Ausschau zu halten, und ein bisschen stimmt das ja auch. Bisher hat mein Mann mich nicht erwischt. Seine neue Frau hat blitzende Augen, von denen wendet er den Blick nur selten ab, um mich bei etwas zu erwischen.
Familie habe ich keine, das liegt aber auch an mir, denn ich habe alle meine Angehörigen erstochen. Jetzt bin ich selbst die letzte meiner Art. Ich bin jetzt sehr selten. Bei der Podiumsdiskussion werde ich ein bisschen davon erzählen, wie das so ist, als direkt Betroffene. Vielleicht kommt ihr ja. Es gibt Schnittchen, für den kleinen Hunger.

Keiner bedrohten Spezies anzugehören, macht auch nicht glücklich. 


Kommentare:

  1. deine sorgen möcht ich haben, ronja räubertochter! :))
    ...
    aber eighentlich ist jeder eine bedrohte art: mit mir z.b. stirbt der letzte neandertaler aus...
    schnell einen gen-clon machen und einfrieren lassen: nach dem weltuntergang gibt's wieder auferstehung.
    ein lese-tip unter kollegen: ezechiel 25 u. 37. ganz schön trippy, das alte testament zu vor-ostern-fastenzeit. (und zum hören: penderecki 'seven gates of jerusalem' ... auf youtube)

    &ps: lass deinen mann schleiereulen küssen: vielleicht wird er ein kalif storch dabei? küss dich dich lieber selbst im spiegel.
    und entlass deine orga-mädchen (wg. erwiesener unfähigkeit in orgasmus-angelegenheiten)- macht sich gut im lebenslauf).
    deine erstochene familie spendier doch dem plastinaten-fetischisten - von hagen oder wie der heisst: der macht aus opas penis noch einen geschmackvollen schirmgriff für die p.t. enkelin :))
    pps: und ich bin nicht anonymous und auch kein spambot, sondern fabio keiner (s. tumblr.com)

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  2. Für mich die Schnittchen bitte mit Stopfleber vom Wachtelkönig, auf Einwegtellern aus Tropenhölzern wenn's geht...

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  3. Oh Frau!
    Du bist echt lustig. Du schreibst mir genau das von der Seele, was ich drauf habe. Nur mit anderen Worten.

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  4. Anfang der Neunziger habe ich heimlich Softsexfilme in der Nachtwiederholung auf SAT1 geschaut. Heute lese ich seit 8 Stunden den Blog, die Tweets und die Artikel von irgend so einer aus dem Fernsehen von gestern Abend. Ich habe keinen Fernseher. Mit 6 habe ich angefangen Fernsehen zu schauen. Mit 12 war ich damit fertig. Sie hat einen Sehfehler. Niemand bemerkt ihn. In ihrer Kindheit musste sie deswegen eine Brille tragen. Ich bin 40 Jahre alt. Ich mag keine Softsexfilme. Mit 5 habe ich angefangen zu lesen. Mit 12 war ich damit fertig. Seitdem ist mir langweilig. Ich bin 40 Jahre alt. Sie nimmt ständig Gewicht zu und dann verliert sie es wieder. Sieht man am Gesicht, das passt nicht zu ihrem dünnen Körper. Ihre Nase ist dick. Sie wollte nie dünn sein, es passierte einfach mit ihr. Sie ist hübsch. Ich mag sie nicht. Sie sieht aus wie ein Hippster. Sie hat hängende Schultern. Ich mag ihre Kleidung. Ich habe immer gerne Filme in schwarzweiss gesehen. Die Frauen hatten hängende Schultern, einen schlanken Hals und Hochsteckfrisuren. Ich hatte es fast schon wieder vergessen. Ich mag Filme ganz ohne Frauenrollen. Sie will nur Klicks und Reichweite. Sie stört meine Langeweile. Sie hat sich erst viel zu spät einen Steuerberater genommen. Lasst sie in Ruhe. Ich habe Einkommen aus drei der sieben Einkunftsarten. Sie treibt sich gern in der Autorenszene rum. Sie raucht und säuft. Sie möchte keine Kinder. Sie ist gern zu Hause. Ihre Wohnung ist nicht besonders. Sie ist gern unter Leuten, je nach Depression. Sie hat es nicht anders verdient. Ich mag keine wissenschaftliche Psycholgie. Menschen, die Borderline und Hindsight bias buchstabieren können, verachte ich. Ich will wissen, ob sie einen Buchvorschuß bekommen hat oder nicht. Jeder sollte Magnum unbegrenzt Eis haben. Ist mir egal, ob sie es danach wieder auskotzt. Sie versteckt ihren Körper sowieso unter viel zu weiter Kleidung. Ich suche den Spendenlink für ihren Blog. Sie kennt teure Modemarken. Das hat sie von ihren neuen Ausgehfreundinnen. Männer verlassen sie irgendwann, ziehen weiter. Es interessiert mich nicht, was sie schreibt. Ich kaufe keine Bücher. Sie besitzt ein teures Kleid. Sie ist körperlich faul. Sport mag sie nicht. Das war früher anders. Ich beobachte Menschen. Mit 12 habe ich angefangen. Da war ich gerade mit dem Lesen fertig. Es sind so viele dachte ich. Ich habe nie weider Langeweile. Ich bin arrogant. Ich habe mit 12 damit angefangen, arrogant zu sein. Ich bin neidisch auf sie. Sie durfte immer arrogant sein. Sie ist eine 24jährige. Früher war sie eine 12jährige. Sie lebt gerade vegan. Ich fahre nachts endlich in den Nachbarort und stelle zwei kaum gebrauchte Autokindersitze hinter den fremden Zaun. Der große Hund bellt laut aber heiser. Diese bescheuerte junge Frau mit dem uralten unbeleuchteten Kinderfahrradanhänger ist endlich von der fünf kilometerlangen achtziger Landstraße verschwunden. Am Badesee konnte ich den fremden vierzehnjährigen Jungen nicht vor dem Ertrinken retten. Ich habe ihn unter Wasser einfach nicht finden können. Mein Gott ich war siebzehn. Ich kann Fehler finden. Hat sie fertig studiert? Ich hasse Veganer. Sie hat einen Silberblick. Was ist bloß alles zwischen Brille und Gitarrenvideo passiert. Mir ist wieder langweilig, ich bin fertig. Ich bin gern allein.
    wasistzeitgeist

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  5. Ronja von Rönne ist, so oder so, im Großen und im Kleinen: ein Mädchen auf dem Weg zum Star. Empirisch, in einer kleinen Fallstudie untersucht:
    http://haizara-x.blogspot.de/2016/04/and-winner-is-ronja.html

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  6. Langsam wird es wieder Zeit für ein bisschen Ronja-Einfluss ;)

    xx San
    owlspassion.blogspot.de

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  7. Ich mag Menschen die Intensiv leben,ich persönlich finde das Helmut Schmidt ein gutes Beispiel für eine Effektive Lebenshaltung ist.
    Gesunde Egoisten haben den Vorteil das sie ihre Bedürfnisse Leben ohne andere für ihre Misstände verantwortlich
    zu machen,außerdem sind sie mehr mit sich im reinen als Menschen die ihr Vakuum mit Ämtern Drogen Geld Macht oder anderen Eskapaden vergeblich auszugleichen zu versuchen oft sind das finde ich die ungesunden Egoisten.
    Leute die Exzessiv Leben um mit ihrem Weltschmerz umzugehen haben den Charm einer gefallenen Aphrodite.

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  8. Ausnahmsweise möchte ich schweigen,was ich sonst nie tue wenn ich nichts zu sagen habe

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  9. Ein Ralf hat heute auf 3sat eine Sendung gesehen. Ich zappe da schnell weiter, aber da war ein Reinhart Mey dabei. Und ich blieb dabei... Da sah ich ein Mädchen, okay, junge Frau, die den Kopf nicht bewegte, sondern nur ihre Augen. Und nach `ner Weile dachte ich mir: Kauf das Buch. Vielleicht schmeisse ich es weg, nach den ersten drei Zeilen...und das wär`blöd wegen dem Geld, oder des Geldes wegen. Aber noch denke ich das nur.

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  10. Gruß aus Göttingen, hallo Frau v. Rönne, hatten nach ihrer Lesung in Gö am Mittwoch Lit. Zent. kurz sitzend miteinander geredet - über blöden Interviewer Galore, aber Superphotographin - musste dann weg, weil zu erschöpft, und sie waren zum rauchen verschwunden. Würde sie gern näher kennen lernen, weil Ersteindruck nicht unsympathisch. Versuche es so.. Vielleicht mailen sie mir mal, Gruß Joachim Lausch

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)