Mittwoch, 29. Juli 2015

Die Frage nach Generation Y ist so langweilig wie ein Töpferkurs ohne Ton, bei dem dann auch noch alle anderen Teilnehmer absagen, weil sie doch lieber Stehpaddeln lernen wollen

Was weiß ich über meine Generation? Ich weiß, dass sie gerne Artikel über ihre Generation liest. Und schreibt. Und teilt. Das ist sicher. Das liebt meine Generation. Ansonsten liebt sie eher langweilige Dinge: Sex mit Menschen, die man liebt und Jobs, die nicht Praktika heißen. Ich weiß das, weil ich schon siebenhundert Artikel zu dem Thema gelesen habe. 

Man sollte zu einem Treffen aufrufen, und alle Jungautoren einladen, die sich noch nicht zu ihrer Generation geäußert haben. 
Vor horrenden Kosten braucht man sich selbst als zaghafter Partyveranstalter nicht scheuen, guten Gewissens kann man dieses Get-Together im heimischen Badezimmer abhalten: Es wird keiner auftauchen, weil alle damit beschäftigt sind, ihre Generation zu analysieren. 
(Außer vielleicht ein schüchterner Lyriker, aber schüchternen Lyrikern reicht es vollkommen, wenn man ihnen ein Glas Wasser anbietet. Man kann ihnen viel vorwerfen, den schüchternen Lyrikern, zum Beispiel ihre schüchterne Lyrik, aber genügsam sind sie. Nur still muss das Wasser sein! Obacht!
"Könnte ich vielleicht doch ein stilles Wasser haben?", fragt der schüchterne Lyriker sonst und es wird ihm sehr unangenehm sein. Lassen wir dem Lyriker sein Wasser und diesem Blogpost sein Thema.)

Wie ist sie denn nun, die Generation Y? Und warum hab ich immer noch keine Vorhangstange gekauft? 
Lauter wichtige Fragen, die man in einem hübschen Suhrkamp-Büchlein mit dem Titel "Fragen für Warteschlangen an Drogeriemarktkassen" zusammenfassen kann. Ansonsten ist die Frage nach der Generation vor allem eins: LANGWEILIG. Sie ist so LANGWEILIG dass ich mir einen Leitz-Ordner voller Generation Y-Artikel angelegt hab, für unruhige Nächte voller Panikattacken.

"Ruhig", sagt der Mann, der mich gut kennt, wenn ich des Nachts mit rasendem Herzen und schlechtem Gewissen hochschrecke. Dann schiebt er mir ein Tavor zwischen die Zähne und liest mir mit ruhiger Stimme  aus Warum meine Generation zu blöd für die Liebe ist (FAZ) vor.  
Man braucht sich gar nicht mit frechen Mittzwanzigern zu treffen, um die Generation Y zu kennen. Man braucht nicht einmal die Artikel zu lesen. Es reicht, zu wissen, dass sie gerne Artikel über ihre Generation lesen. Y, dass sind die, die sich freuen, wenn in Texten steht, dass ihre Generation beziehungsunfähig, unselbstständig und unglücklich ist, weil sie dann selbst keine Schuld daran tragen. 

Ich boxe mir jetzt ein bisschen wütend in den Bauch. Ich hätte die Zeit, in der ich hier über Y schreibe auch sinnvoller vertun können.
Ich hätte mich in einen schüchternen Lyriker verlieben können. Ich hätte Spanisch verlernen können. Ich hätte Fotos von meinem Essen machen können und es dann doch nicht auf Facebook teilen können, weil ich noch über ein Restquäntchen Selbstachtung verfüge. 
Stattdessen verklingen meine Klagelaute in den Weiten des Webs. Es ist Mittwoch. Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass gestern Dienstag war. Das wäre schön, denn ich bin sehr harmoniebedürftig. Ich weiß das. Das steht in der Zeitung.


Typisch Generation Y: Junge Menschen

Kommentare:

  1. Ein schüchterner Lyriker29. Juli 2015 um 07:42

    Töpferkurse sind auch mit Ton langweilig.

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  2. -Das generelle Labeln von Menschen oder Generationen ist langweilig.
    -Menschen werden langweilig, wenn sie der Wohlstand langweilt.
    -Wer sich allein langweilt, ist auch zu zweit nicht sehr unterhaltend.

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  3. Ich finde es gut, dass du dich mit deiner Generation auseinandersetzt. Auch wenn du dich nicht wohl fühlst, du gehörst eben mal dazu, das ist wie mit Familie, die kann man sich nicht aussuchen.

    Ich frage mich nur, wie alt muss man sein um dazuzugehören? Reicht es aus sich so jung zu fühlen, dass man mehr Angst hat an Langeweile zu sterben als am Rauchen?

    Ich bin Nichtraucher und 34 Jahre, ich lese keine Artikel über meine Generation und kann mich deshalb auch nicht einordnen.

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  4. "Es reicht, zu wissen, dass sie gerne Artikel über ihre Generation lesen. Y, dass sind die, die sich freuen, wenn in Texten steht, dass ihre Generation beziehungsunfähig, unselbstständig und unglücklich ist, weil sie dann selbst keine Schuld daran tragen."
    Oh Gott schon wieder so ein ironisch distanzierter Gleichgültigkeitsvorwurf ala MACHTWASAUSEUREMLEBEN... ist das der coole Konservativismus unter dem nichtgekauften Vorhang der abgeklärten Ich-setze-mich-selbst-ins-Schussfeld-Haltung? Seht mich an, ich bin ein unfassbares Überall oder... ach macht was ihr wollt oder... findet ihr das nicht auch doof, eure Zeit jetzt mit mir verschwendet zu haben (trotzdem danke für eure Liebe!)? Tolle Wurst; und zu Weihnachten gibts dann das CDU-Parteibuch.

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    1. Zum Glück gibt es Menschen, die wie du "Anonym" ihre Existenz stark genug fühlen um ihr Bedürfnis der dezidierten Selbsoffenbarung in der Form juvenil-sarkastischer Textkritik, unter Anwendung kecker Komposita mit Bindestrich, auch wahrzunehmen.

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    2. Zum Glück gibt es Menschen, die wie du "Anonym" ihre Existenz stark genug fühlen um ihr Bedürfnis der dezidierten Selbsoffenbarung in der Form juvenil-sarkastischer Textkritik, unter Anwendung kecker Komposita mit Bindestrich, auch wahrzunehmen.

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  5. Sei bloß vorsichtig mit dem Tavor! Das wird oft gefährlich unterschätzt und richtet gerade bei sensibleren Gemütern gerne mal immense Schäden an, die man nicht sofort bemerkt.

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  6. In erster Linie bin ich Fan!

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  7. Der junge Mann, auf dem Foto neben Dir, verfügt über keine Augenbrauen. Bitte gib ihm welche ab.
    Beste Grüße

    Gefühlte Generation Z

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  8. Im Fall einer Panikattacke hilft eine Tavor garnichts. Selbst eine 2,5er Expidet wirkt erst nach ca. 20 Minuten. Bis dahin hat aber die Wirkung des "Ich habe eine Tavor genommen, jetzt geht es mir besser"-Phänomens ohnehin eingesetzt. Mittelfristig verändert sich der Hirnstoffwechsel radikal, vielleicht sogar so so radikal, dass man irgendwelche Generationstypen erfindet. Ob man mit oder ohne Medikamente das Gefühl hat, in einem Meer aus Angst vor der eigenen Bedeutungslosigkeit und Sinnlosigkeit des Seins zu ertrinken, hat keine Relevanz. Auf das Gefühl kommt es an, dass muss verändert werden.
    Maslows Bedürfnispyramide entstand lange vor vor dem sozialen Konstrukt Generation Y. Das besondere an der Generation Y ist wohl lediglich, dass sie sich mittelbar weiter von der Generation entfernt hat, die die ganz unten als Allererstes stehenden Bedürfnisse noch zu schätzen wusste. Offensichtlich reicht das Bewusstsein über die höherliegenden Bedürfnisse nicht aus, im das Gefühl von Lebenszufriedenheit und Erfülltheit zu generieren. Also bedarf es noch zahlloser kläglicher Versuche durch Fressen, Geschlechtsverkehr und Rauschmittel im Übermaß, um nicht feststellen zu können, dass es die kleinen Dinge sind, die glücklich machen. Wenn ich Generation Y beschreiben darf, ist das wohl die Generation, über die sich Generation X fragt, was sie eigentlich so tut und was wohl aus Generation Z noch werden wird.

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  9. Augenbrauen fehlen ... wiedermal ... Wieso? # wasistzeitgeist

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(Ich veröffentliche nur freundliche Kommentare. Das Sudelheft ist mein Zuhause, und ich lade selten Leute zu mir nach Hause ein, die mich mit "Ich hasse dich, deine Familie und deine Texte" begrüßen.)